Künstlerhaus Dortmund
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add-on
Raumerweiterung – im weitesten Sinne

21. März  – 3. Mai 2020

Eröffnung am Freitag, den 20. März um 20 Uhr


"add-on" als Begriff für „erweiterte Anwendungen“ bzw. für „gesteigerte Fähigkeiten“ meint hier mit Blick auf die vorgestellten künstlerischen Arbeiten eine erweiterte und gesteigerte räumliche Qualität. Räumlichkeit kann sich jeweils verschieden entfalten und führt zu divergierenden Raumvorstellungen im weitesten Sinn. Das Besondere all dieser räumlichen Verschränkungen und Erweiterungen ist, dass sie zwar wahrnehmbar sind, sich aber einer objektiven Erkenntnis entziehen und unbestimmt bleiben. Wie sich die räumlichen Wahrnehmungen und Vorstellungen im direkten Kontakt mit der jeweiligen Arbeit entwickeln und verändern, entzieht sich einer genauen euklidischen Nachprüfbarkeit. Sie bieten Spielräume zur Ausdehnung von Bedeutungsanreicherungen, denn sie erweisen sich als vielschichtig und rätselhaft; sie sind und bleiben offen für diverse Vorstellungen, Deutungen und Interpretationen. Es ist jeweils ein offenes, komplexes Spiel mit Möglichkeiten. Die in der Ausstellung thematisierte gesteigerte räumliche Qualität als add-on erweist sich als Anstiftung zur Suche nach außergewöhnlichen Sinnzusammenhängen.

KünstlerInnen
Nikola Hamacher
Vanessa Henn
Raymund Kaiser
Jörg Kratz
Sali Muller
Ekkehard Neumann
David Semper



Nikola Hamacher

STRAND, Video, 1:15 Min loop, 2011

Das Video zeigt durch Holzlamellen die Sicht auf einen italienischen Mittelmeerstrand. Die Menschen sind nur fragmentarisch und als Silhouette zu erkennen, vieles bleibt visuell angedeutet. Durch die reale und gleichzeitige Audioaufnahme der Umgebung (schreiende Kinder, schnell sprechende Frauen und Männer, Geräusche von Türschlössern usw.) ergänzen sich die Fragmente zu einem Gesamtbild.


Vanessa Henn

Ridge, Stahl, PVC 530 cm x 12 cm, 2010

Vanessa Henn arbeitet mit alltäglichen semiarchitektonischen Gegenständen, deren Funktion darin besteht, die Bewegung von Menschen zu lenken. Henn zeichnet mit ihren linienförmigen Skulpturen im Raum. Ihrer Funktion enthoben und in einem Ausstellungsraum neu kontextualisiert, treten Henns Geländer plötzlich als enigmatische Objekte in Erscheinung, während ihre Pendants im Alltag von uns meist ausgeblendet werden. Henns Arbeiten sind jedoch keine Readymades im Sinne von Marcel Duchamp. Vielmehr verwendet sie gefundene oder nachproduzierte Alltagsobjekte als Material für ihre Skulpturen und Installationen. Auf spielerische Weise transformiert sie Treppenhandläufe zu absurden Lineaturen, die nun nicht mehr nur unseren Körper, sondern auch unseren Geist zum Herum- oder Abschweifen einladen.
www.vanessa-henn.de


Raymund Kaiser

OCK-AGS4 (160413), Öl, Lack, Acrylglasspiegel, Aluminium, 65 x 122 cm, 2013

Licht entfaltet sich auf verschiedenen Oberflächen. In meiner Malerei schaffe ich zwei differenzierte Farbzustände, die sich als opak/matt und transparent/spiegelnd offenbaren. Der entstandende Farbton, durch verschiedenfarbige Lacklasuren auf einem einfarbigen Grund aufgetragen, wird zur tonalen Vorlage für die letztliche partielle Übermalung mit der opaken Ölfarbe. Durch den glänzenden Lack schafft sich die Malerei ihren eigenen (dreidimensionalen) Raum, der zwischen einer unbestimmbaren Tiefe im Malgrund und der Überlagerung des Spiegelbildes vagabundiert. Meine Malerei steht nie für sich alleine. Sie kommuniziert mit Betrachter und Raum.
www.raymundkaiser.de


Jörg Kratz

ohne Titel, Mezzotinto, 12 x 10 cm, 2019

Jörg Kratz schafft kleinformatige Gemälde und Grafiken von Innenräumen, Vorhängen und dem oftmals getönten Licht, das durch die Gitter eines Fensters einfällt. Während sich der Blick auf die Oberflächen der Arbeiten konzentriert, wird die Sichtbarmachung von Räumlichkeit und Bewegung durch Licht, Schatten und Textur als ihr eigentliches Anliegen offenbar. In ihrer formalen Konzentration und ruhigen, atmosphärischen Dichte ähneln sie Gefäßen für unsere Vorstellung und für die Fragen, wie Bilder in die Sichtbarkeit vordringen und wie sie unsere Wahrnehmung verändern.
www.joerg-kratz.de


Sali Muller

Too broken to pretend not to be, Zerbrochene Spiegel, 200 x 410 x 20cm, 2017

"Too broken to pretend not to be" konfrontiert den Betrachter mit der zerstörerischen Geisteshaltung und Handlungsweise von Menschen. Die Destruktion der Spiegelfläche spielt mit der menschlichen Leidenschaft, Dinge und sich selbst zu zerstören, ein Wesenszug, der durch die kapitalistische Gesellschaft um so mehr verstärkt wird. Die Gesellschaftsstruktur mit ihrer einseitigen Betonung des Konkurrenzdenkens und der materiellen Dinge ist eine Hauptursache und der Rückgang jeglicher geistiger Werte. An den scharfen Kanten der zerbrochenen Spiegel besteht eine erhöhte Verletzungsgefahr für Körper und Seele.


Ekkehard Neumann

Ohne Titel (Bodenfaltungen), Eisen, Farbe, unterschiedliche Maße, seit 2012

"Flächenformen, in unterschiedlichen Neigungen, nach Ordnung und Zufall
aneinandergefügt, lassen uns leicht bewegt Raum erleben..." (Ekkehard Neumann, 2019)
www.ekkehardneumann.de


David Semper

NISCHEN, Zeichenpapier (A4, A3), rechtwinkliger Wandschnitt, 2018

Der Ansatz David Sempers lässt sich mit den beiden Begriffen Material und Prozess grob umreißen und umfasst ein großes Spektrum von Werktypen und Arbeitsweisen. Aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem Ort, seiner Stofflichkeit, seiner vormaligen Funktion und Geschichte kann sich seine künstlerische Reaktion ergeben. Sei es in der Sichtbarmachung von Spuren dieser Vergangenheit, sei es in der Arbeit mit gefundenem Material, das er arrangiert und durch subtile Eingriffe markiert. Eine andere Vorgehensweise arbeitet mit stofflichen Kontrasten, etwa indem David Semper Stücke aus
einer Wand lösst und durch passgenaue Volumina aus Alabaster ersetzt. Oder er platziert Stempelkissen in zuvor geschaffenen Wandöffnungen, verschließt diese anschließend durch Putz. In einem nicht steuerbaren Prozess arbeitet sich die Farbe durch den Putz, greift in nicht absehbarer Weise im Laufe der Zeit auf die Wand über. In ähnlicher Weise initiiert Semper einen Formprozess, wenn er ein Stück Bleiband in der Wand fixiert und anschließend Schwerkraft und Eigenwicht des Materials zusammenwirken lässt. Variation und Wiederholung, Referenzen an Formen klassischer Ornamentik sind ebenfalls Handlungsmöglichkeiten des Künstlers. (Jens Peter Koerver, 2017)
www.davidsemper.com




Konzept und Organisation: Elly Valk-Verheijen, Maria Schleiner, Willi Otremba
Texte und Abbildungen Werke: © die KünstlerInnen

Freundlich unterstützt durch: Kulturbüro Dortmund, Sparkasse Dortmund, DEW 21